Porträt: Der Steinkauz meldet sich zurück

11.02.2015 – Jahrhundertelang war der Steinkauz (Athene noctua) im Mittelland verbreitet und lebte als Nachbar des Menschen in Obstgärten, Scheunen und Ruinen. Die kleine Eulenart ist kaum grösser als eine Amsel. Sie lebt unauffällig und lässt sich schwer entdecken, denn ihr bräunliches Gefieder mit den hellen Flecken tarnt sie gut. Stechend gelbe Augen und weisse Augenbrauen verleihen dem Vogel ein charaktervolles Aussehen. Er ist in der Dämmerung und nachts aktiv. Dann jagt er Mäuse, Heuschrecken und Käfer.

Steinkauz

Der Steinkauz jagt seine Beute häufig auf dem Boden oder von Sitzwarten aus. Deshalb ist für ihn eine lockere, nicht zu hohe Vegetation wichtig.
© Ruedi Aeschlimann

Der Steinkauz bewohnt offene, strukturreiche Kulturlandschaften im Flachland mit Extensivwiesen und Hochstamm-Obstbäumen. In seinem Revier ist er auf Hohlräume und Höhlen angewiesen. Er nutzt sie für die Tagesruhe, zum Brüten und im Winter auch zum Aufbewahren der Beute.

Seit den 1950er-Jahren nahm der Steinkauzbestand massiv ab, und die Art verschwand nach und nach aus dem Mittelland. Ihr Vorkommen reduzierte sich auf kleine Populationen in den Kantonen Genf, Jura und Tessin. Die Hauptgründe für den Rückgang lagen in der intensivierten Landwirtschaft und in der Zersiedelung der Landschaft.

Um die Jahrtausendwende war der Tiefpunkt erreicht, die National Prioritäre Art stand mit nur noch 50 bis 60 besetzten Revieren kurz vor dem Aussterben. Inzwischen hat sich der Brutbestand erfreulicherweise wieder verdoppelt und 2014 mit 121 Revieren eine neue Höchstmarke erreicht. Dieser Erfolg ist in erster Linie den Steinkauzprojekten des SVS/BirdLife Schweiz, seiner Partner und engagierten Naturschützern zu verdanken, die Bäume pflanzen, Magerwiesen anlegen und zahlreiche mardersichere Niströhren anbringen.

Doch das langfristige Überleben des Steinkauzes hierzulande ist damit noch nicht gewährleistet. Deshalb gibt das BAFU zusammen mit dem Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach im Rahmen des Programms Artenförderung Vögel Schweiz demnächst den Aktionsplan Steinkauz Schweiz heraus. Dieser legt konkret dar, wie eine Aufwertung des Lebensraums der Eule erfolgen kann, wie sich ihre Brutmöglichkeiten gezielt verbessern lassen und in welchen Gebieten sie bald wieder heimisch werden könnte. Bis 2024 sind 170 Reviere anvisiert. Garant dafür ist eine optimal abgestimmte Zusammenarbeit von Bund, Kantonen, Gemeinden, der Landwirtschaft, Stiftungen sowie Natur- und Vogelschutzorganisationen.

Georg Ledergerber